Ostern 2020 - Ostergruß

Liebe Gemeindeglieder,

da wir dieses Jahr nicht miteinander Gottesdienste feiern können, hier ein kleiner Ostergruß an Sie und Euch, verbunden mit guten Wünschen für eine gesegnete Osterzeit. Auch den Ostergruß der Dekane geben wir hier gerne weiter.

Einander nicht nahe kommen zu können, sich in den eigenen vier Wänden eingesperrt zu fühlen, wesentlicher Rechte beschnitten zu sein, sich zu fragen, wie man diese Situation wirtschaftlich überleben kann, nicht zu wissen, wie lange und was noch alle kommt oder ungleiche Behandlung und Ungerechtigkeit zu erfahren – all das sind Erlebnisse von Menschen in dieser Zeit, neben der Frage um die Gesundheit, das Gesundheitssystem und die Expertenmeinungen dazu. Und all diese Erfahrungen haben auch mit dem Erleben von Ohnmacht zu tun – ich kann nicht selbst entscheiden, mir wird viel mehr als sonst vorgeschrieben.

Ostern ist das Gegenteil von Ohnmacht, Ostern zeigt die Macht des Lebens.
Aber Ostern ist nicht ohne Karfreitag und ohne Stall zu haben. Gott geht selbst und ganz freiwillig den Weg der Ohnmacht. Das kleine Kind im Stall hat keine Macht, sein Geschick liegt in der Hand anderer Menschen. Der ans Kreuz geschlagene kann nichts mehr tun. Ungerechtigkeit, Rechtsbeugung, Verschmähung, Ausgestoßen-Sein, Verlassenheit, Verleugnung (selbst durch die besten Freunde) gehörten zu den Erfahrungen, die Jesus auf dem Weg dorthin machen mußte – schließlich auch von Gott verlassen zu sein.

Gott verläßt sich selbst – um uns, wenn wir Ohnmachtserfahrungen machen, ganz nahe zu sein. Er weiß, was das ist und wie sich das anfühlt und ist gerade dann besonders nahe, wenn wir es nicht meinen.

So ging es den beiden Jüngern, die am 3. Tag nach der Kreuzigung nach Emmaus unterwegs waren. Zwei Stunden lief Jesus an ihrer Seite, sie sprachen miteinander, diskutieren über das was geschehen war, fragten nach Sinn, Zweck und Ziel. Erkannt haben sie Jesus nicht. Erst im Nachhinein ist ihnen klar geworden, wer vorher die ganze Zeit da war. Da wurde es für sie Ostern. Das war nicht am Morgen dieses Tages, sondern es war bereits Nacht. Für den Jünger Thomas wurde es erst eine Woche später Ostern, als er Jesu Hände und Seite berühren darf.

Gott nimmt unsere Grenzen und Beschränkungen ernst. Und nicht das Datum ist entscheidend, sondern daß Menschen Ostererfahrungen machen können.

Daß Sie diese – wann und wie auch immer dieses Jahr machen können – das wünschen wir Ihnen.Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden.

 

Herzliche Grüße
Pfr. Nicolai Gießler
Pfr.in Melanie Gießler
Pfr. Dr. Michael Lichtenstein

 

Zum weitergeben - diese Zeilen als PDF.